Fachverband für Orthopädietechnik
und Sanitätsfachhandel Nordost e.V.

Fußball-WM und Arbeitsrecht

Einige Spiele bei der gerade begonnenen Fußball-Weltmeisterschaft werden bereits während der normalen Arbeitszeiten angepfiffen. Eine große Zahl von Menschen geht mittlerweile keiner geregelten 9 bis 17 Uhr Tätigkeit mehr nach, sondern arbeitet etwa im Schicht- oder Bereitschaftsdienst mit der Folge, dass die Abendspiele ebenfalls in die Arbeitszeit fallen. Somit stellt sich für viele Beschäftigte die Frage, wie sie Arbeit und Weltmeisterschaft in Einklang bringen können.

Freistellung


Wer frühzeitig seinen Urlaub für die Dauer der Fußball-WM beantragt (und genehmigt bekommen) hat, ist fein heraus. Problematischer wird es, wenn noch kurzfristig Urlaub begehrt wird. Nach dem Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) sind die Urlaubswünsche des Arbeitnehmers bei der zeitlichen Festle­gung des Urlaubs zu berücksichtigen, es sei denn, dass ihrer Berücksichtigung dringende betriebliche Belange oder Urlaubswünsche anderer Arbeitnehmer, die unter sozialen Gesichtspunkten den Vorrang verdienen, entgegenstehen.
Es ist auch möglich, einzelne WM-Urlaubstage zu nehmen. §7 Abs. 2 BUrlG schreibt zwar vor, dass der Arbeitgeber den Urlaub nur zusammenhängend zu gewähren hat. Dies gilt aber nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG, Az.: 5 AZR 380/64) nur für den gesetzlichen Mindesturlaub von 20 Ar­beitstagen. Über den über diesen Mindesturlaub hinausgehenden Urlaub kann folglich frei verfügt und auf einzelne Urlaubstage verteilt werden (so auch LAG Düsseldorf, Az.: 10 Sa 1306/04).

Schließlich können sich auch Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf einige Tage unbezahlten Sonderur­laubs einigen.


Eigenmächtiges Fernbleiben von der Arbeit

Sollte einem Arbeitnehmer der gewünschte Urlaub nicht gewährt werden, kann er nicht einfach eigen­mächtig für ein WM-Spiel selbst Urlaub nehmen, bzw. der Arbeit fern bleiben. Dies kann nach einer Entscheidung des BAG (Az.: 2 AZR 154/93) sogar einen wichtigen Grund für eine fristlose Kündigung darstellen.

Ebensolche drastischen Folgen kann eine plötzliche - womöglich noch angekündigte - vorgetäuschte WM-Krankheit für einzelne Spieltage haben - selbst mit einem ärztlichen Attest.


Fußball am Arbeitsplatz

Eine mögliche Alternative ist, dass sich die Belegschaft die Spiele der Weltmeisterschaft am Arbeits­platz im Fernsehen anschaut oder im Radio mithört.

Das BAG hat dazu entschieden (Az.: 1 ABR 75/83), dass ein Arbeitnehmer, der seine Arbeit konzent­riert, zügig und fehlerfrei verrichtet, seine Arbeitspflicht erfüllt, auch wenn er nebenbei Radio hört. Be­steht allerdings Kontakt zu Kunden, kann dies dem Radiohören am Arbeitsplatz ebenso entgegenste­hen wie die Rücksicht auf andere Kollegen.

Die von der Rechtsprechung entwickelten Grundsätze zum erlaubten Radiohören am Arbeitsplatz kön­nen nicht einfach auf das Fernsehen übertragen werden, außer man "hört“ nur Fernsehen. Bei vielen Tätigkeiten wie z.B. Kundengesprächen, Autofahren wird es nicht möglich sein Fußballspiele im Fern­sehen zu verfolgen. Es sind aber auch zahlreiche Tätigkeiten vorstellbar, bei denen durchaus nebenbei Fußball im Fernsehen ohne die eigentliche Arbeit zu beeinträchtigen mitverfolgt werden kann. Schließ­lich sieht man zu Hause auch beim Bügeln fern ohne jedes Mal größere Brandschäden zu verursachen.

 

Überstunden

Neben den Fragen rund um den Urlaub während der WM darf nicht die Frage nach dem kras­sen Gegensatz - den Überstunden vergessen werden. Schließlich sehen sich zahlreiche Arbeitnehmer wähend der WM mit der Forderung nach Mehrarbeit konfrontiert. Bekanntlich erleben einzelne Bran­chen während der WM eine Fußball-Sonderkonjunktur.
Üblich ist, dass Arbeitnehmer verpflichtet sind, Überstunden zu leisten - die Pflicht zur Leistung von Überstunden ergibt sich meist aus dem Arbeitsvertrag oder tarifvertraglichen Regelungen.

Lage der Arbeitszeit

Der Arbeitgeber kann die Lage der Arbeitszeit kraft seines Direktionsrechts einseitig festlegen, wie z.B. Schichtwechsel. Das Direktionsrecht kann aber nicht nach Gutsherrenart ausgeübt werden, sondern vielmehr nach billigem Ermessen. Dieses Weisungsrecht findet seine Grenzen in arbeitsvertraglichen oder kollektivarbeitsrechtlichen Regelungen und in gesetzlichen Vorschriften. Die Interessen des Unter­nehmens sind bei der Ausübung des Weisungsrechts mit denen des betroffenen Arbeitnehmers und der weiteren Belegschaft gegeneinander abzuwägen.

 

Zusammenfassung

Arbeitgeber und Belegschaft sollten einvernehmliche Regelungen für die kurze Zeit der Fußball-WM treffen, die im Einzelfall konkret ausgestaltet werden können. So könnten beispielsweise die Fußballfans im Betrieb ihren Dienst mit den Kollegen, die mit Fußball wenig bis nichts anfangen können, wechseln.